Personal Brand oder Fake Name: Warum ich meinen Firmennamen aufgegeben habe.

Personal Brand oder Fake Name? Kaum eine Frage wird beim Gründen so oft hin und her gewälzt wie die nach dem richtigen Businessnamen. Da sitzt du mit deiner Idee, deinem Angebot und ganz viel Motivation, und plötzlich hängt alles an diesem einen Wort, das irgendwann auf deiner Website, deinem Logo und deiner Visitenkarte stehen soll.

Ich habe diese Entscheidung selbst schon zweimal getroffen. Einmal mit einem Kunstnamen, einmal mit meinem eigenen. Und weil ich beide Wege gegangen bin, kann ich dir aus erster Hand erzählen, was sich verändert hat, als ich mich für meine Personal Brand entschieden habe.

In diesem Artikel nehme ich dich mit in meine Geschichte, zeige dir, welche Gedanken hinter einem Fake Namen oft wirklich stecken, und erkläre dir die ganz handfesten Vorteile, die dein eigener Name für dein Online-Business mitbringt. Von der Domain über SEO bis zum Markenrecht. Spoiler: Es geht dabei um mehr als Geschmack.

Inhaltsverzeichnis

    Mein Start mit Fake Name: Freiform Medien

    Als ich mich selbstständig gemacht habe, erst nebenberuflich und später in Vollzeit, hieß mein Business Freiform Medien. Klang professionell, klang nach Agentur, klang nach mehr als einer Person. Genau das war der Plan.

    Mein Portfolio war damals ein riesiger bunter Strauß. Ich komme ursprünglich aus dem Druck, habe zwanzig Jahre bei Heidelberger Druckmaschinen gearbeitet, dort gelernt und meinen Industriemeister für Digital und Printmedien gemacht. Verpackungsdruck, Akzidenzdruck, Druckveredelung: Das war meine Welt. Dazu kam meine Leidenschaft für Branddesign und Webdesign. Und weil mich so vieles interessiert hat, habe ich obendrauf noch Weiterbildungen zur Social-Media-Marketing-Managerin, Online-Marketing-Managerin und E‑Commerce-Managerin gemacht.

    Das ist ein Spektrum, das mich bis heute selbst ein bisschen beeindruckt. Damals hat es mich eher verunsichert.


    Drei Gründe, warum ich mich hinter einem Kunstnamen versteckt habe

    Wenn ich heute zurückschaue, gab es drei Gedanken, die mich zu meinem Fake Namen geführt haben.

    Der erste: Das glaubt mir doch keiner. Eine einzelne Person, die Print, Web, Branding und Online Marketing abdeckt? Ich war überzeugt, dass ich mit diesem Angebot als Personal Brand nicht ernst genommen werde. Ein Agenturname wirkte da wie ein Schutzschild für meine Glaubwürdigkeit.

    Der zweite: Ich hatte tatsächlich den Wunsch, irgendwann eine richtige Agentur aufzubauen. Erst mal mit mir allein, später mit Team. Der Name sollte schon mal für diese Zukunft stehen.

    Und der dritte Grund ist der, in dem sich wahrscheinlich die meisten Soloselbstständigen wiederfinden. Ich nenne ihn liebevoll Mindfuck. Die Idee dahinter: Wenn ich mit einem Namen sichtbar werde, der mich quasi deckt, dann tut Kritik weniger weh. Dann trifft sie die Firma und nicht mich.


    Der eigentliche Grund: Angst vor Sichtbarkeit

    Ich verstehe total, dass Sichtbarkeit Respekt einflößt. Wer sichtbar ist, ist auch angreifbar. Sobald du mit deiner Meinung rausgehst, wird es Menschen geben, denen sie nicht gefällt. Und mit einer Personal Brand landet diese Kritik direkt bei dir als Person.

    Ein Kunstname wirkt da wie ein bequemes Versteck. Gerade viele Soloselbstständige, die eigentlich gar keine GmbH gründen und auch kein großes Team aufbauen wollen, greifen deshalb zu einem Namenskonstrukt. Es fühlt sich sicherer an.

    Aus meiner Sicht ist das allerdings falsch gedacht. Das Versteck schützt dich weniger, als du glaubst, und es kostet dich eine ganze Menge: Nähe, Wiedererkennung und am Ende auch Leichtigkeit in deinem Marketing. Wie viel genau, habe ich erst gemerkt, als ich den Schritt raus gewagt habe.


    Mein Wechsel zur Personal Brand war ein Befreiungsschlag

    Nach ungefähr zwei Jahren in der Vollselbstständigkeit habe ich mein Namenskonstrukt und meinen Agenturgedanken aufgegeben. Komplett. Es entstanden eine neue Website, ein neues Brand Design, und eine neue Tonalität. Aus Freiform Medien wurde Linda Luk.

    Der Grund war simpel: Ich habe gemerkt, dass ich als Personal Brand viel authentischer Marketing machen kann. Und das hat sich vom ersten Tag an unglaublich gut angefühlt, weil ich nicht mehr jemand sein musste, der ich nicht bin.


    Das „Wir” Problem

    Ein Punkt hat mich mit dem Agenturnamen dauerhaft gestresst: die Kommunikation. Wenn ich von „wir“ gesprochen oder geschrieben habe, fühlte sich das falsch an. Es gab ja kein „Wir“. Da war nur ich, eine Person, die gerne irgendwann ein „Wir“ aufbauen wollte. Und wenn ich unter dem Namen Freiform Medien von mir allein gesprochen habe, war das auch irgendwie schräg.

    Also habe ich versucht, größer zu wirken. Auf meiner Website standen Partner: Fotografen, Texter, Performance Marketer für Meta Ads und Google Ads. Damit das große Paket, das ich irgendwann sein wollte, schon mal sichtbar ist. Liefern konnte ich, was gebucht wurde, daran lag es nicht. Aber als Solomensch hat es sich angefühlt wie eine Jacke, die mir nicht passt. Wie eine Rolle, die ich spielen muss.


    Echt sein zahlt sich im Marketing aus

    Heute rede ich, wie mir der Schnabel gewachsen ist. Für meinen Podcast habe ich in 99 Prozent der Fälle kein Skript, und geschnitten wird nur, wenn mal eines meiner Kinder reinplatzt. Diese Nicht-Rolle, dieses einfach ich sein dürfen, hat mein Marketing so viel leichter gemacht. Content entsteht schneller, Texte fließen besser, und die Menschen, die mich buchen, wissen genau, mit wem sie es zu tun haben.


    Die praktischen Vorteile einer Personal Brand

    Neben dem guten Gefühl gibt es ein paar ganz handfeste Gründe, mit deinem eigenen Namen zu starten. Und die betreffen genau die Dinge, die du beim Aufbau deiner Website sowieso klären musst.


    Deine Domain braucht kein Keyword

    Viele glauben noch, dass das Hauptkeyword unbedingt in die Domain gehört. Für Suchmaschinenoptimierung und auch für die Sichtbarkeit in KI‑Suchen ist die Domain heute aber ziemlich schnuppe. Deine Domain darf einfach dein Name sein, zum Beispiel lieschenmueller.de.

    SEO passiert auf ganz anderen Ebenen: im Website Titel, in deinen Headlines, in deinen Texten, in der Seitenstruktur und in sauber benannten URLs. Dort spielst du deine Keywords aus. Die Domain darf einfach zeigen, wer du bist.


    Keyword Domains können richtig teuer werden

    Wenn du bei Ionos, Strato und Co. nach einer Domain suchst, merkst du schnell: Begriffe wie Glück, Coaching oder „endlich irgendwas“ sind entweder vergeben oder kosten ein kleines Vermögen. Gefragte Wörter haben ihren Preis. Dein Name dagegen ist in den allermeisten Fällen frei und für ein paar Euro im Jahr zu haben.


    Das unterschätzte Risiko: Markenrecht

    Jetzt kommt der Punkt, den die wenigsten auf dem Schirm haben, und der ist wirklich brandgefährlich. Ein ausgedachter Name ist nicht automatisch frei. Es kann gut sein, dass ihn schon jemand nutzt oder sogar als Marke geschützt hat.

    Bevor du dich festlegst, müsstest du also beim Deutschen Patent und Markenamt recherchieren oder dir direkt einen Markenanwalt oder eine Markenanwältin an die Seite holen.

    Sonst passiert im schlimmsten Fall Folgendes: Du entwickelst dein Brand Design, gestaltest dein Logo, baust eine komplette Markenidentität auf, und eines Tages landet eine Mail im Postfach. Mit freundlichen Grüßen vom Anwalt, weil du gerade Markenrecht verletzt.

    Ich habe mir selbst auch mal Domains wie Square Studio gesichert, als ich meinen Squarespace Weg eingeschlagen habe und noch mit dem Agenturgedanken gespielt habe. Gerade bei solchen Namen musst du extrem genau hinschauen.

    Mit deinem eigenen Namen ist dieses Risiko deutlich kleiner. Du kannst daraus ein Logo gestalten, die Domain kaufen und loslegen, ohne wochenlang Patentrechte zu wälzen. Ausnahmen gibt es sicher, wenn du zum Beispiel zufällig genauso heißt wie ein Hollywoodstar. Im Zweifel lohnt sich eine kurze rechtliche Beratung.

    Für die meisten von uns gilt aber: Mein Name, meine Marke, ich bin safe. Das spart dir Recherche, Stress und macht den Start in dein Business so viel leichter.


    Dein Name schafft Verbindung zu deinen Wunschkunden

    Wenn du Coach, Beraterin oder Expertin bist, dann bitte: Versteck dich nicht hinter einem Fake Namen. Du bist es, die in den Reels spricht. Du bist im Podcast zu hören, du bist auf Instagram, LinkedIn und YouTube unterwegs. Dein Newsletter kommt von dir. Die Menschen sollen dich als Brand wahrnehmen dürfen.

    Ich erlebe es selbst ständig. Ich bekomme einen Newsletter von einem Kunstnamen und kann mir einfach nicht merken, wer dahintersteckt. Dann sitze ich da und überlege: Wie hieß noch mal die Frau, die das mit der Darmgesundheit macht? Und muss sie erst wieder suchen. Ich will aber wissen, wie sie heißt. Ich will mich mit ihr verbinden, mit ihrem Wissen und ihrem Erfahrungsschatz.

    Dein Name ist eine unglaublich wertvolle Brücke zwischen dir und deiner Zielgruppe. Ein Kunstname schiebt eine Barriere dazwischen, und genau das macht es so schwer, echte Beziehungen zu deinen Wunschkunden und Wunschkundinnen aufzubauen.


    Personal Brand fühlt sich an wie Duzen

    Ich vergleiche das gerne mit dem Siezen und Duzen. Siezen schafft Abstand. Den willst du vielleicht behalten, wenn du angestellt bist und mit dem obersten Chef sprichst. Sobald du per Du bist, entsteht automatisch eine andere Ebene. Ihr öffnet euch mehr, die Distanz schrumpft, alles wird pragmatischer.

    Genau diesen Effekt hat eine Personal Brand im Business. Sie schafft die Nähe, die du und deine Wunschkunden brauchen. Und weil Menschen bei Menschen kaufen, gerade wenn es um Coaching, Beratung oder Dienstleistung geht, ist diese Nähe ein echter Verkaufsfaktor. Seit ich mich als Personal Brand positioniert habe, geht so vieles einfacher.


    Kann ich mit einer Personal Brand trotzdem groß wachsen?

    Ja. Und zwar richtig. Schau dir Unternehmerinnen wie Laura Malina Seiler oder Katrin Hill an. Beide stehen bis heute mit ihrem Namen für ihr Business und haben trotzdem Unternehmen mit Angestellten, Freelancern und allem Drum und Dran aufgebaut. Ein Großteil der bekannten Namen im Online Marketing ist genau so gewachsen: über die Personal Brand.

    Du musst also nicht schon am ersten Tag aussehen wie eine große Agentur. Du darfst klein anfangen, Erfahrungen sammeln, herausfinden, wo du hinwillst, und später immer noch ein Team oder eine GmbH aufbauen. Dein Name wächst einfach mit.


    Fragen, die dir bei deiner Entscheidung helfen

    Wenn du gerade vor der Namensfrage stehst oder zwischen zwei Optionen schwankst, nimm dir einen Moment und horch mal rein.

    • Warum braucht es bei dir einen künstlichen Namen?

    • Was genau hält dich davon ab, mit deinem eigenen Namen auf den Markt zu gehen?

    • Ist es wirklich eine strategische Entscheidung, oder steckt eher die Sorge dahinter, angreifbar zu sein?

    Oft liegen unter dieser Entscheidung Ängste. Das Bedürfnis, sich zu verstecken. Oder der leise Zweifel, ob man sich das mit der Personal Brand überhaupt zutraut. Das ist völlig menschlich. Es lohnt sich nur, diese Gedanken einmal ehrlich anzuschauen, bevor du Geld in Domain, Logo und Branding steckst.


    Fazit: Personal Brand oder Fake Name?

    Mein Rat aus eigener Erfahrung: Wenn du keine konkreten Pläne für eine große Agentur ab Tag eins hast, starte mit deiner Personal Brand. Du sparst dir teure Domains, langwierige Markenrecherche und das ständige Gefühl, eine Rolle spielen zu müssen. Dafür bekommst du Nähe, Wiedererkennung und ein Marketing, das sich nach dir anfühlt.

    Ich habe zwei Jahre gebraucht, um das zu verstehen, und danach meine komplette Marke umgebaut. Du darfst dir diesen Umweg sparen.

     

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    Linda Luk

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