Eine Website beim Gründen ist keine Option, sondern Pflicht.

Wenn du gerade dabei bist, dich selbstständig zu machen, kennst du wahrscheinlich diesen einen Gedanken, der sich hartnäckig in deinen Kopf schleicht: Erst muss alles perfekt sein, bevor ich online gehen kann. Das Logo muss sitzen, die Farben müssen stimmen, der Name muss geschützt sein und am besten hast du auch schon dein komplettes Angebot bis ins letzte Detail durchdacht. Klingt vernünftig, oder? Ist es aber nicht. Genau dieser Gedanke ist einer der größten Zeitfresser, die ich bei Gründerinnen und Gründern immer wieder sehe, und er kostet dich am Ende bares Geld.

Ich hatte kürzlich Tobias Wolfrum in meinem Podcast zu Gast, der als Gründungs- und Unternehmensberater täglich mit Menschen arbeitet, die genau am Anfang ihrer Selbstständigkeit stehen. Und was er erzählt hat, hat mich echt zum Nachdenken gebracht, obwohl ich selbst seit Jahren im Webdesign unterwegs bin. Eine Website ist für ihn genauso wie für mich kein nettes Extra, das man sich irgendwann mal gönnt, sondern die Basis, ohne die im digitalen Business schlicht nichts läuft.

In diesem Artikel nehme ich dich mit durch die wichtigsten Erkenntnisse aus diesem Gespräch und zeige dir, wo du wirklich sparen kannst und wo definitiv nicht.

Inhaltsverzeichnis

    Der Denkfehler, der dich Monate kostet

    Tobias hat mir eine Geschichte erzählt, die ich seitdem nicht mehr aus dem Kopf bekomme. Einer seiner Klienten hat neun Monate an seinem ersten Logo gebastelt. Neun Monate. Immer wieder neue Entwürfe, immer wieder Revisionen, immer wieder von vorne angefangen, weil es einfach nicht perfekt genug war. In dieser Zeit ist kein einziger Euro Umsatz entstanden, weil die ganze Energie in etwas geflossen ist, das für den Kunden am Ende völlig zweitrangig ist.

    Und das Logo ist dabei nur die Spitze des Eisbergs. Genauso häufig verlieren sich Gründerinnen im Namen ihres Unternehmens. Soll es der eigene Name sein oder doch lieber eine kreative Wortschöpfung? Muss der Name beim Patentamt geschützt werden? Tobias kennt sogar einen Fall, in dem sich jemand drei Jahre lang nicht selbstständig gemacht hat, weil er vorher jeden erdenklichen Namen rechtlich absichern wollte. Drei Jahre, bevor überhaupt ein einziger Kunde gewonnen wurde.

    Was diese Beispiele so deutlich zeigen: Die Konzeption steht bei vielen Gründerinnen vor der Umsetzung, obwohl es eigentlich umgekehrt laufen sollte. Erst das Geschäftsmodell, erst die ersten Kundengespräche, erst der Beweis, dass dein Angebot überhaupt gebraucht wird. Danach kannst du dich um Branding, Logo und die schöne Verpackung kümmern.

    Website ist nicht gleich Website

    Ein Punkt, den Tobias auf den Punkt gebracht hat: Jeder Gründer und jede Gründerin braucht mindestens eine digitale Visitenkarte, auch wenn sie noch nicht perfekt ist. Einfach damit man bei Google überhaupt gefunden wird und potenzielle Kunden nicht das Gefühl bekommen, sie hätten es mit einem Fake-Unternehmen zu tun.

    Er hat dazu ein Beispiel gebracht, das richtig hängen bleibt. Ein junges Unternehmen im Bereich Wärmepumpen hatte den ersten Kunden bereits unterschriftsreif, aber keine Website. Der Kunde hat kurz darauf widerrufen, weil er das Unternehmen gegoogelt hat und schlicht keine Ergebnisse gefunden hat. Kein Handelsregistereintrag, keine Website, nichts. Für ihn sah das nach Betrug aus.

    Diese verlorenen Aufträge nennt man in der Wirtschaft Lost Opportunity Costs, und das Fiese daran ist, dass du sie nie wirklich beziffern kannst. Du weißt schlicht nicht, wie viele Menschen sich gegen dich entschieden haben, weil du online nicht auffindbar warst.

    Und genau das ist für mich der Grund, warum eine digitale Visitenkarte alleine oft nicht reicht, sobald du dein komplettes Business online aufbaust, wie es bei den meisten meiner Kundinnen der Fall ist. Deine Website muss dann mehr können als nur zu bestätigen, dass es dich gibt. Sie muss verkaufen, Vertrauen aufbauen und dein Angebot so kommunizieren, dass die richtige Person sich sofort angesprochen fühlt.

    Falsche Signale kosten dich genauso viel

    Genau hier kommt ein weiterer Punkt ins Spiel, der beim Gründen oft unterschätzt wird. Es reicht nicht, irgendeine Website zu haben. Sie muss auch visuell zu deinem Angebot und deiner Zielgruppe passen.

    Stell dir vor, du bietest sanfte Ernährungsberatung an, mit Fokus auf Leichtigkeit und Wohlbefinden, deine Website kommt aber in Schwarz und Gold daher, wie eine Luxusmarke aus einem ganz anderen Universum. Die Signale, die du damit sendest, widersprechen komplett dem, was du eigentlich verkaufen willst.

    Das ist übrigens auch der Grund, warum ich bei meinen Kundinnen immer zuerst nach der eigentlichen Positionierung frage, bevor überhaupt eine einzige Seite gestaltet wird. Wer angesprochen werden soll, welches Problem gelöst wird und welche Emotion die Website transportieren muss, das entscheidet über Farben, Schriften und Aufbau, nicht andersherum.

    Schlank starten, ohne am falschen Ende zu sparen

    Wo genau verläuft also die Grenze zwischen einem cleveren, schlanken Start und einem Sparen, das dich am Ende mehr kostet, als es bringt? Aus meiner Erfahrung mit Coaches, Heilpraktikerinnen und anderen Soloselbstständigen kann ich sagen: Am falschen Ende sparst du, wenn du komplett auf eine Website verzichtest, weil du glaubst, du bräuchtest erst mal keine.

    Richtig sparst du dagegen, wenn du am Anfang eine schlanke, aber saubere Lösung wählst, die du selbst umsetzen kannst und die trotzdem professionell genug wirkt, dass Vertrauen entsteht. Das muss keine 7.000 € teure Agenturwebsite sein. Es darf durchaus die 1.000 € Lösung sein, die du dir vielleicht sogar in Raten leistest, oder eine Website, die du mit dem richtigen Werkzeug selbst baust.

    Und genau hier liegt für mich der eigentliche Knackpunkt: das richtige Tool von Anfang an. Ich habe selbst jahrelang mit WordPress gearbeitet, bevor ich zu Squarespace gewechselt bin, und der Unterschied war für mich wie Tag und Nacht. Bei WordPress habe ich mich ständig mit Plugin Updates, Fehlermeldungen und komplizierten Baukastenlogiken herumgeschlagen, anstatt mich um mein eigentliches Business zu kümmern. Erst mit einem Tool, das mitdenkt statt zu bremsen, konnte ich mich überhaupt trauen, digitale Produkte anzubieten.

    Genau diesen Fehler sehe ich bei vielen Gründerinnen immer wieder

    Sie starten mit irgendeinem Tool, das gerade verfügbar ist oder das eine Freundin empfohlen hat, und quälen sich dann monatelang durch Funktionen, die einfach nicht zu ihrem Vorhaben passen. Statt loszulassen und zu wechseln, wird weiter herumgebastelt, weil die Zeit, die man schon investiert hat, sich falsch anfühlt zum Wegwerfen. Am Ende kostet genau dieses Festhalten viel mehr Zeit und Nerven, als ein früher Wechsel gekostet hätte.

    Testkunden statt perfektes Konzept

    Ein Punkt aus dem Gespräch mit Tobias, den ich richtig gut fand, war seine Empfehlung, möglichst früh mit Testkunden zu arbeiten. Statt monatelang an deinem Angebot zu feilen, bevor es überhaupt jemand gesehen hat, suchst du dir drei, vier oder fünf Menschen, die potenziell zu deiner Zielgruppe passen, und testest dein Angebot direkt an ihnen.

    Das bringt dir gleich drei Dinge auf einmal. Du bekommst erste Testimonials, du erhältst echtes Feedback zu deinem Angebot und du gewinnst an Sicherheit in deinem eigenen Standing. Genau so bin ich übrigens auch bei meinem eigenen Online-Kurs vorgegangen. Ich habe ihn nicht fertiggebaut und dann veröffentlicht, sondern in einer Beta-Version getestet und offen kommuniziert, dass er noch nicht perfekt ist. Das nimmt so viel Druck raus, sowohl von dir als auch von deinen Kundinnen.

    Deine Website darf mitwachsen

    Was mir aus dem ganzen Gespräch am meisten hängen geblieben ist: Deine Website muss nicht von Anfang an perfekt sein, aber sie muss von Anfang an existieren. Viele meiner Kundinnen kommen erst nach drei oder vier Jahren Selbstständigkeit zu mir, weil sie sagen, sie wollen es jetzt richtig machen. Sie haben ihre Website damals selbst zusammengebastelt, sie hat ihren Zweck erfüllt, aber jetzt haben sie sich weiterentwickelt und brauchen mehr Professionalität dahinter.

    Und das ist völlig in Ordnung. Diese Staffelung ist sogar eine richtig gute Herangehensweise. Du startest mit dem, was du hast, sammelst Erfahrungen mit echten Kunden, entwickelst dein Angebot weiter und gehst dann bewusst in ein Rebranding, wenn du genau weißt, wie deine Website wirken muss, damit sich Menschen sofort bei dir aufgehoben fühlen.

    Wenn du gerade am Anfang stehst und überlegst, ob du wirklich schon eine Website brauchst, dann ist die Antwort ganz klar: JA. Nicht perfekt, nicht fertig durchdacht bis ins letzte Detail, aber vorhanden, auffindbar und mit dem richtigen Werkzeug gebaut, das dich nicht ausbremst, sondern dich von Anfang an nach vorne bringt.

    Fazit

    Am Ende bleibt eine einfache Wahrheit übrig: Perfektion ist nicht dein Ziel, Sichtbarkeit ist es. Ein Logo, das neun Monate braucht, oder ein Name, der drei Jahre lang rechtlich abgesichert wird, bringen dir keinen einzigen Kunden. Eine Website, die existiert, gefunden wird und zu deinem Angebot passt, dagegen schon.

    Du musst nicht alles auf einmal perfekt machen. Starte schlank, aber starte mit dem richtigen Werkzeug, damit du dich nicht in Technikfrust verlierst, statt dich um dein eigentliches Business zu kümmern.

    Sammle Erfahrungen mit echten Testkunden, entwickle dein Angebot weiter und gönn dir das große Rebranding erst dann, wenn du genau weißt, wofür du stehst. Genau dieser Weg, Schritt für Schritt und mit wachsendem Selbstvertrauen, ist es, der aus einer ersten, unperfekten Idee ein tragfähiges Business macht.

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